Ein großer langersehnter Traum: Elfie auf Hawaii

Ein großer langersehnter Traum geht in Erfüllung: Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii 2016

Wie alles begann:

2011 habe ich den Ironman in Regensburg bei einem Regenrennen als erste meiner Altersklasse gefinisht. Am nächsten Morgen wurde der Traum von Hawaii jedoch jäh zerstört – plötzlich tauchten 2 andere Triathletinnen auf und ich war nur noch 3. in der Altersklasse. Bis 2010 galt beim IM die Regelung, wer am Hawaii-Tag bereits 55 Jahre ist startet in der AK 55, die beiden Damen wurden aber erst im Dezember 55 und waren in der AK 50 – 54 gemeldet. 2011 wurde die AK-Regelung jedoch geändert, so dass alle Sportler, die in dem Jahr 55 wurden auch in der AK 55 starteten, Ironman hatte die EDV noch nicht angepasst und so tauchten die beiden Damen in der Nacht plötzlich auf – aus der Traum von Hawaii.elfie1

2013 gab es in Wiesbaden Hawaii-Slots von dem gecancelten IM Regensburg, hier hätte ich einen Slot haben können. Dies stand jedoch für mich außer Frage, ich kämpfte das ganze Jahre mit einem Periformis-Syndrom und Ischias Problemen, den IM Frankfurt musste ich abbrechen, da ich kein Lauftraining hatte und wollte in Wiesbaden nur finishen um meinen Kopf freizubekommen. Als letzte in meiner AK mit einer grotenschlechten Finisherzeit hätte ich einen Slot bekommen können. Da meine Verletzung  immer noch nicht ausgeheilt war und ich gar nicht sicher war, ob ich bis Hawaii laufen kann, kam ein Start bei der Ironman Weltmeisterschaft überhaupt nicht in Frage. Für Hawaii muss man kerngesund sein.

Den abgebrochenen Ironman in Frankfurt wollte ich nicht so stehen lassen und startete 2015 in Barcelona, ich wollte unbedingt das Ziel erreichen und hatte auch die Hawaii-Quali im Hinterkopf. Barcelona war der härteste IM überhaupt. Ich war schockiert, dass ich mich nach dem Schwimmen nicht mehr auf den Beinen halten konnte, solche Probleme hatte ich noch nie. Wir hatten heftigen Wellengang und ich war wohl „seekrank“, bin mehrfach umgefallen und hatte Brechreiz. Barcelona war mein erster Wettkampf im Meer. Nach einem halben Liter Wasser ging es mir wieder besser, beim Radfahren hab ich dann die komplette Konkurrenz eingesammelt und bin als erste auf die Laufstrecke. Schon wieder hatte ich Brechreiz und konnte ich keine Verpflegung aufnehmen außerdem hatte ich immer Bedenken, dass  ich völlig entkräftet im Sanizelt lande, aber ich weiß jetzt der Marathon geht auch mit Wasser und Cola. Zwar nicht so schnell, aber es geht. Nach heftigen Diskussionen mit dem Schweinehund habe ich das Ziel als Erste mit 45 Minuten Vorsprung erreicht und somit die Quali für Hawaii in der Tasche. Endlich – mein großer Traum geht in Erfüllung.

elfie2Der lange Weg nach Hawaii:

Ab Januar begann das strukturierte Training für Hawaii und alles lief super nach Plan. Als Asthmatikerin bin ich im Frühjahr oft eingeschränkt durch Bronchitis und Luftprobleme, dieses Jahr war das nicht der Fall. Leider fielen geplante Vorbereitungswettkämpfe buchstäblich ins Wasser (wurden abgesagt w/ Hochwasser)  bzw. aus dem 70.3 Luxemburg wurde ein Duathlon. Der 70.3 in Wiesbaden, bei dem ich 9 x finishte, war dann als einziger Formtest vorgesehen. 6 Wochen vorher hab ich mir beim Warm-up zur Rückenschule den Fuß verstaucht, die Bänder überdehnt und vier Wochen Laufpause. Zum 70.3 in Wiesbaden konnte ich nicht starten.  Mitte September war dann auch die Motivation dahin, der Puls ging nicht mehr hoch und meine Leistung zurück. Nun waren 2 Wochen regeneratives Training angesagt. Zwei Wochen vor Hawaii hatte ich nochmal Intervall-Training und die Beine fühlten sich gut an.

Am 2
8.09. ging es dann endlich einmal um die halbe Welt. Dass mein Radl in Hawaii nicht ankam, regte mich gar nicht so sehr auf (irgendwas geht immer schief vorm IM), war mit Hannes Hawaii Tours unterwegs, seine Mitarbeiter kümmerten sich, so dass das Rad mit 12 Std. Verspätung vor der Tür stand. Ute Mückel hat mich vorgewarnt, dennoch konnte ich mir die Temperaturunterschiede nicht so richtig vorstellen. Ute sollte Recht behalten: bei jedem kleinen Handgriff stand ich völlig unter Wasser. Oh je wie soll ich hier laufen.

Dafür war das Schwimmen morgens am Pier die Entspannung pur, glasklares Wasser mit Fischen in allen Farben, es war herrlich. Meine Bedenken und Angst, dass es mir wieder so geht wie in Barcelona lösten sich nach 30 Min. plantschen in Luft auf. Eines Morgens hab ich fast die Kaimauer geküsst, so vertieft war ich ins Fische beobachten.

Das Radtraining auf dem Highway war mir anfangs nicht so geheuer, aber die Amerikaner waren sehr diszipliniert so dass ich mir dort auch noch den letzten Schliff holen konnte. Das Laufen war jedoch mit sehr viel Schweißverlust verbunden und der Puls schoß auf 175 (bei der Leistungsdiagnostik geht ab 155 nichts mehr). Die Nächte waren sehr lang, nach drei Stunden Schlaf hätte ich jede Nacht um 1 Uhr Bäume ausreißen können, die letzten zwei Nächte vor dem Wettkampf konnte ich dann endlich durchschlafen und hatte den Jetlag auch hinter mir.

Am Freitag waren dann auch meine Rad- und Laufbeine wieder da – endlich und sehr beruhigend.elfie3

Am Wettkampftag betreuten uns 3000 Helfer aus allen Teilen der USA : sie sorgten dafür dass wir keine großen Wartezeiten hatten, erst gings zum Bodymarking, nächste Station Vaseline und zum Schluss Sonnencreme. Alles haben die Helfer übernommen. Ich war die Ruhe selbst (hab ich noch nie erlebt), kurz ging der Puls etwas hoch, da ich keine Luft in meinen Reifen bekommen hab (das Ventil war verstopft, hab mir Milch reinfüllen lassen), es hat mir aber ein Athlet geholfen und schon war alles ok und ich tiefenentspannt (weiß nicht warum, es war mir schon fast unheimlich). Das Schwimmen war für mich ok (viele meinten es hätte starken Wellengang gehabt, es war aber kein Vergleich zu Barcelona). Auf dem Rad hatte ich 60 km gute Radbeine und auch normalen Puls bis 130, dann ging der Puls nach unten und nicht mehr hoch und die Kraft war weg auch kurze Sprints halfen nichts, jetzt war mir klar, es wird ein langer Tag bei 140 km Gegenwind und keine Kraft in den Beinen. Die Uhr hab ich abgestellt mit einem Durchschnittspuls von 117 bin ich vom Rad und beim Laufen war er dann auf 121. Da es so heiß war, hab ich mich auf dem Rad und beim Laufen sowieso mit Wasser gekühlt, was zur Folge hatte, dass meine Füße aufgeweicht waren.   Nach 2 Km hatte ich beim Laufen an beiden Füßen Blasen – brauch nicht zu erzählen, wie es mir beim Marathon ging. Dazu kamen noch Schulterschmerzen, Knieschmerzen und meine Fußsohlen brannten wie Feuer.  Hab mir immer wieder gesagt – WM muss hart sein, Du bist nicht aus Zucker. Der Schweinehund hat sich überhaupt nicht gemeldet – er wusste sicherlich, dass er keine Chance hatte und das erste Mal in 11 Jahren keine Ernährungsprobleme – das war schon mal die halbe Miete. Jeder Ironman ist anders, man weiß im Voraus nie was kommt – wie im richtigen Leben.

Richtig auskosten konnte ich den Ironman dann, als ich die Palani Road wieder runterkam und die letzten Meter durch die mit Zuschauern gesäumte Straße zurücklegte. Der  Zielkanal war gesäumt von den Nationalflaggen dieser Welt; mit jedem der letzten Schritte rückten die vergangenen Qualen mehr und mehr in den Hintergrund und dafür wurde der Stolz über die Leistung immer größer.

Der Zieleinlauf war  gigantisch und unbeschreiblich, ich höre immer wieder meinen Namen – puh ich hab schon wieder Gänsehaut!!!

elfie4Ich habe es geschafft, auf der Insel der Triathlon-Träume an der Startlinie gestanden und bin im Ziel von Mike Reilly mit den Worten „You are an Ironman!“ begrüßt worden – unbeschreiblich!!! Hawaii hat mich verändert: mit Ehrgeiz und immer die Uhr im Blick konnte ich viele Wettkämpfe nicht genießen. Ich habe das härteste Ausdauerevent der Welt  ohne Zeitvorgaben hinter mich gebracht – mein Kopf war frei und ich hatte keinen Streß. Irgendwann muss man auch mit sich selbst zufrieden sein und genießen können.

Ich bedanke mich bei allen, die mich auf diesem Weg unterstützt haben:

Ute Mückel für die super tolle Trainingsplanung, Uta Knape vom Ute Mückel Triathlon-Team und Silke Wienfort für die Betreuung vor Ort, Hannes Hawaii Tours für die geniale Organisation meiner Reise und auch Betreuung in Kona, Caroline Rauscher für die Wettkampfernährung, LC Olympia Wiesbaden, Nassauische Sparkasse für die Unterstützung, City Bike Wiesbaden für die Pflege meines Radls und meinen Freunden und Trainingspartnern für das Verständnis während meiner Vorbereitung. Nun hab ich wieder mehr Zeit.
 

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