Reise / Wettkampfbericht Ironman Cozumel 2016 von Markus

Reise / Wettkampfbericht Ironman Cozumel 2016

 

Nach neuneinhalb Flugstunden landet man am Flughafen Cancun. Glücklicherweise gibt es einen Direktflug aus Düsseldorf durch Air Berlin (wer weiß wie lange noch …), was die Anreise relativ unkompliziert macht. Vor 2 Jahren waren wir mit Hannes Hawaii Tours vor Ort, diesmal haben wir uns entschieden, auf eigene Faust loszuziehen. Beides hat seine Vor- und Nachteile, die Anreise ist aber in jedem Fall gut selbst zu organisieren. Am Flughafenausgang wartet schon der vorbestellte Shuttle-Service auf uns, der uns dann auch direkt zur Fähre bringt. Direkt ist vielleicht etwas übertrieben, man hat sich in Playa del Carmen nämlich entschieden die Touristen erst noch durch eine Art Shopping Center zu treiben, das man clevererweise mit Kopfsteinpflaster ausgestattet hat. Zumindest hat sich so ein neuer Geschäftszweig entwickelt, freundliche Mexikaner schleppen einem nämlich den Radkoffer auf ihren Karren bis zur Fähre.

 

Am Fährterminal angekommen legt auch direkt eine ab und gut 30min später sind wir auf Cozumel. Dank Taxieinweiser („You need a van? You need a van!!!!“) bekommen wir ein Gefährt mit genug Platz für uns beide und alle Koffer und 5$ später sind wir am Eingang unserer Behausung – wir haben diesmal per Air BnB ein Häuschen gemietet – in einem der besseren Wohnviertel von San Miguel, mit Anschluss an die lokale Bevölkerung und nur ca. 1,5km von der späteren Ziellinie des Ironman entfernt.
Nachdem wir eine Woche vor dem Rennen angekommen sind, gestalten wir alles sehr entspannt und gönnen uns das volle Urlaubsfeeling. Natürlich machen wir eine Schnorcheltour, sehr nett vom Boot aus.

 

 

DCIM100GOPROGOPR0014.JPGAn der Westküste gibt es eine ganze Reihe Strandbars, von deren Anlagen man auch direkt losschnorcheln kann – bietet sich auch an für die Wassergewöhnung vor dem Wettkampf. Dort kann man dann den ganzen Tag bleiben, ganz ordentlich zu Mittag essen und lecker Kokosnüsse austrinken.

 

 

 

 

 

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Schnorcheln Cozumel

 

Im Training umrunde ich die Insel, hier ist fast durchgängig ein Radweg angelegt, der vielen deutschen Feldwegen die Schamesröte ins Gesicht treibt. Macht einfach Spaß, bei 28 Grad in kurzen Klamotten vollkommen unbehelligt Gas zu geben – schade, dass nicht noch mehr Radstunden in der Rennwoche drin sind. Dabei treffe ich auch mehrfach Oleg und Peter aus dem Team, die bei Hannes im Hotel sind – Zufälle gibt’s!

Laufen ist dagegen, auch weil ich es meist in den Mittagsstunden durchführe, ganz schön anstrengend. Unser Haus liegt in der Nähe des Sportstadions, da kann ich gut Runden laufen und eine Wasserflasche an den Rand stellen. Der Community Pool (Eintritt frei und 4 Bahnen für Triathleten reserviert) ist auch gleich da.

Frühstück machen wir uns mit den Einkäufen aus dem MEGA Supermarkt selbst ( z.B. eine 3,8kg Papaya für EUR 1,80) oder gehen in das auf gesundes Essen spezialisierte „La Cuisine“.Abends suchen wir uns Restaurants in der Nähe unseres Hauses, wir haben ein paar Empfehlungen von unserem Gastgeber. Da wünsche ich mir manchmal, ich hätte mehr Spanisch drauf, häufig können die Servicekräfte nichts anderes, man kommt aber auch mit Händen und Füßen zurecht und es ist immer sehr lecker – von der Ceviche über die Tacos bis zur Horchata, die ich als Getränk für den Gewichtsbewussten Sportler nur eingeschränkt empfehlen kann.

Die Expo und Anmeldung sind im Convention Center nahe des Marktplatzes, auf dem später das Ziel sein wird. Ab Donnerstag (in den USA Thanksgiving und damit Feiertag) wird es langsam voller und interessanterweise auch etwas teurer – ab sofort ist es angesagt, den Taxifahrer vor der Fahrt nach dem Tarif zu fragen …  Die Expo ist klein aber fein, Registrierung am Freitag verläuft problemlos (am Donnerstag gab es noch keine Bändchen, das war vor 2 Jahren auch schon so – wird dann eben nachgeholt).

Der Bike Check In verläuft unspektakulär, dank AWA Status ein guter Radständer, wie sich am nächsten Morgen herausstellt auch mit Beleuchtung (sonst ist es hilfreich eine Stirnlampe mit dabei zu haben). Meinen Rucksack schenke ich hier einem ca 14jährigen Helfer, der sich ein Loch in den Bauch freut. Bleibt mir nur noch eins: Wie komme ich am Rennmorgen zur ersten Wechselzone? Glücklicherweise wohnt genau gegenüber ein Taxifahrer, der nur blöderweise am Abend vor dem Rennen seinen Geburtstag feiert. Aber er verspricht, dass sein Vater uns fahren wird.

Am Morgen vorsichtig aus der Tür getreten und da steht er auch schon und wartet auf uns, alles vorbereitet. Wie im ganzen Urlaub hat auch hier alles super geklappt, die Mexikaner sind tatsächlich sehr zuverlässig – da habe ich mich allgemein auf mehr Schwierigkeiten eingestellt. Wir sind dann auch zur Öffnung der WZ1 dort und ich bereite noch einmal alles vor. Es regnet nochmal kurz, was die Luftfeuchtigkeit für den Tag nach oben treiben wird – macht es auch nicht leichter. Toilettengang und ab in den Bus zum Start. Dort gibt man dann seinen Beutel mit den Klamotten für nach dem Rennen ab und weil ich hier noch die anderen Teammitglieder treffe, habe ich jemanden der mich bis zu meinem Startbereich führt – hab ja keine Brille mehr auf 😉 .

swimexitDort geht dann beim Rolling Start irgendwie alles recht schnell – ruckzuck sind wir im Wasser und es geht los. Ich merke zwei Dinge sehr schnell: 1. haben wir offenbar die Strömung gegen uns, 2. schneidet mein Swimsuit in meinen Hals. Ich versuche mehrfach das zu richten, das gelingt mir aber nicht. Soweit macht das Schwimmen Spaß, viele bunte Fische, die Wellen in einem erträglichen Maß.  Meine Garmin misst auf der ersten Hälfte eine Pace von deutlich über 2min / 100m, das dreht dann aber glücklicherweise und später sinkt diese auf 1:20/100m. Leider muss ich hierfür auch die Strömung verantwortlich machen. Ich schwimme dann noch ein paar Ecken in den eigentlich vollkommen gerade verlaufenden Kurs und komme nach 1:09 aus dem Wasser.

 

In der Wechselzone brennt die Sonnencreme in meinem aufgeschnittenen Hals und das Visier ist leider abgegangen – nicht weiter schlimm, leider hat auch einer der Magneten den Halt verloren, das Visier hält aber glücklicherweise am Helm. Also raus auf’s Rad und ordentlich Gas geben. Diesmal fahren wir auf der Straße, der  Radweg dient als Ausweichstrecke für die Inselbewohner und Zuschauer. Es ist eine wunderschöne Strecke, die anfangs durch den Dschungel, später dann an der Küste entlang führt.

 

 

 

 

 

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Ein Teilstück (quer über die Insel) ist dann eine eher trostlose Straße, aber hier stehen auch schon einige Mexikaner (besonders Kinder) zum Anfeuern. In San Miguel wird es dann teilweise richtig laut, die Zuschauer haben sich alle schöne Plätzchen im Schatten gesucht und  geben sich alle Mühe uns anzutreiben.

 

DCIM100GOPROG0400931.JPGLeider muss ich jetzt für den sehr guten Start ein wenig bezahlen, ich bekomme Rückenprobleme, die sich seitlich bis in den Oberschenkel ziehen und verhindern ordentlich zu treten. Im Ironman gibt es ja aber immer ein paar Tiefs, und das hier ist auszuhalten. Konzentration auf die Ernährung, eine vernünftige Haltung (es ist richtig windig hier, da ist es wichtig den Kopf unten zu halten) und dann wird es schon wieder. Das mit der Ernährung funktioniert gut, ich nehme aber auch mal was von dem Gatorade das angeboten wird, das muss ich so bei km 160 mal wieder oben rauslassen. Schmeckt zwar lecker, vertrag ich aber nicht. Zum Ende der zweiten Runde konnte ich wieder mehr Druck aufs Pedal geben, es geht wieder mehr und ich überhole immer weiter. Zum Ende der 3. Runde hin fahre ich dann sogar an ein paar weiblichen Pros vorbei. Insgesamt eine ordentliche Radfahrt in knapp 5:24, das wäre auch noch schneller gegangen.
Der junge Mexikaner, der mir in der WZ2 meinen Hals einschmiert erschrickt ein wenig, als ich vor Schmerzen kurz mal aufheule – die Mischung aufgeschnitten/Salzwasser/aufgebrannt/Sonnencreme  ist nicht besonders angenehm.

 

 

runRaus aus der Wechselzone laufe ich erstmal eine 4:30 Pace, vollkommenes Selbstmordtempo, ich versuche mich zu zügeln. Es ist gut warm (so 26 Grad im Schatten, sagt die WetterApp), dazu brennt die Sonne. Schatten gibt es auf der Strecke nicht viel. Genau so habe ich es mir gewünscht. Ich habe schon in der WZ gesehen, dass ich gar nicht so schlecht liege, da waren noch viele Beutel. Jetzt auf der Laufstrecke bin ich fast alleine unterwegs bis mir der Führende entgegenkommt. Geiles Gefühl. Dadurch auch die exklusive Aufmerksamkeit für mich in den Verpflegungsstationen: „Agua! Agua! Ice! Pepsi! Agua!“ In Massen über den Körper und den Kopf geschüttet hält es mich bis zur nächsten Verpflegungsstelle halbwegs kühl. Die liegen auf der 7km Wendepunktstrecke nur 1km auseinander, das ist aber auch dringend nötig. Es gibt einen Abschnitt, auf dem steht die Luft – da bin ich dann ruckzuck wieder trocken und der km zwischen diesen Verpflegungsstellen fühlt sich irgendwie doppelt so lange an.

 

Auf der zweiten Runde ruft mir Dani dann irgendwann zu „Du warst 17. AK nach dem Radfahren, die anderen gehen alle ein. Hau rein!“. Das war genau was ich gebraucht habe – was mich von den anderen im Rennen unterscheidet ist das Durchhaltevermögen, deshalb wollte ich hierher. Also bleibe ich dran und mache tatsächlich ein relativ konstantes Rennen im Lauf, die einzelnen 7km Abschnitte unterscheiden sich nicht besonders. Auf der 3. und letzten Runde muss ich allerdings ein paar Meter gehen, da mir meine alte Unfallstelle aus Lanzarote Schwierigkeiten macht und die Muskeln dort verkrampfen. Nachdem das gelöst ist, geht es aber wieder fix weiter.
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In der letzten Runde feiere ich an jedem Stimmungsnest und an jedem Verpflegungspunkt mit den Leuten, ich freu mich einfach hier zu sein, auch wenn ich mir gerade die letzten Körner aus dem Körper laufe. Aber so komme ich überglücklich ins Ziel, auch wenn ich noch nicht weiß, dass ich es immerhin bis auf Platz 6 der AK geschafft habe. Insgesamt Platz 99 und mit einem 3:41 Lauf eine 10:25. Wenn ich da noch mit einrechne, dass ich zweimal auf dem Rad und einmal beim Lauf stehen geblieben bin um Blutzucker zu messen und die Insulinpumpe zu bedienen, dann bin ich echt zufrieden – auch weil ich tatsächlich immer an der Leistungsgrenze war, egal zu welchem Zeitpunkt des Rennens.

 

 

 

 

 

 

cancunNach dem Rennen gibt es wieder frisch aufgeschlagene Kokosnüsse, Pizza und Gatorade. Ich hole mein Radel und die Beutel ab und fahre nach Hause (da ist es stockdunkel, aber die Mexikaner fahren auch ohne Licht im Verkehr). Dusche und dann wieder zurück an die Finishline. Heute Abend geht es zu Hooters, Burger und Chicken Wings zusammen mit einem leckeren Bier. Das Ganze mit Blick auf die Laufstrecke.Irgendwann übermannt mich die Müdigkeit, wir nehmen noch eine Pizza mit nach Hause für meinen Hunger in der Nacht (wie immer nach einem Rennen) und verabschieden uns.
Am nächsten Tag räumen wir zusammen, genießen ein leckeres Frühstück bei La Cuisine und fahren zur Slot Vergabe. Ich habe keine Hoffnung, will aber nicht in Kona stehen als der Depp, der den Rolldown verpasst hat – erwartungsgemäß gehen die 4 Slots in meiner AK auch an die ersten 4 weg.

Am Dienstag dann morgens auf zur Fähre, von dort mit dem Shuttle ins Live Aqua Cancun, ein sehr netter Schuppen in dem wir die nächsten 4 Tage den Luxus genießen wollen. Kurz nach der Ankunft haben wir dann ein Steak und die ersten Bierchen / Cocktails drin, die Offseason läuft …

Einen wichtigen Punkt haben wir noch offen – wir müssen nach Akumal, da Dani ja total auf Schildkröten steht und man an diesem Strand direkt mit den Tieren schnorcheln kann. Unsere Tour beinhaltet vorher noch einen Abstecher in eine Cenote – die Unterwelt der Maya Mythologie.

 

 

Schnorcheln Cenote

 

Schnorcheln Akumal

 

Dazu gibt es noch Massagen, Kekse, ausführliche Frühstücksgelage und die immer leckeren Abendessen im Hotel – die Erholung schreitet voran. Leider müssen wir dann am Samstag den Weg zum Flughafen antreten, auch hier funktioniert wieder alles reibungslos und so befinden wir uns am Sonntag morgen wieder auf deutschem Boden – und frieren.

 

Für 2018 kann ich mir den Wettkampf sehr gut wieder vorstellen, falls also jemand Interesse oder Fragen hat, kann er mich gerne kontaktieren.

 

Bildrechte der Rennbilder: finisherpix

 

 

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