Der längste Tag des Jahres von Ramon

Der längste TagRamon 2

Um 4:15 Uhr sollte der Wecker klingeln – die Betonung liegt auf „sollte“, da ich schlauerweise eine Voreinstellung ausgewählt hatte, die meinen Wecker nur von Montag bis Freitag klingeln lässt. Daher war ich etwas verdutzt, als es um 5:45 Uhr an der Tür klopfte und jemand fragte: „Biste schon fertig?“ Äääähm, nee!

Dann ging es los, hopp hopp: Mist, wo ist meine Radhose? Ähm ja, die ist im Beutel in der Wechselzone! Tja, dann halt nackt in den Neo. Pumpe geschnappt und los. Kaum drei Meter aus dem Hotel reißt mir der Schlappen und dann geht es nur noch barfuß weiter. Nun heißt es Nerven behalten! In der Wechselzone angekommen, Rad aufpumpen und im Anschluss der letzte Check, ob meine Radhose wirklich im Beutel ist! Sie war es! Gott sei Dank!…

Schwimmstart mit Rolling Start – gut oder schlecht?!

Schwimmen lief schlecht: Null Sicht, null Orientierung! Aber Schwimmen ist eh nicht meins, also Augen zu und ab der Fisch. Dann raus aus dem Wasser, umziehen und ab aufs Rad.

Das Radfahren lief gut, aber ich bin trotz allem mit angezogener Handbremse gefahren, da ich nicht wusste, wie sich meine Beine nach 180 km anfühlen würden. Und mein Ziel war ja definitiv: Ankommen!

Aber wer hätte gedacht, dass der größte Stress auf dem Rad das Essen wird: Kaum war der Riegel im Mund, waren auch schon wieder 30 Minuten um. Also, essen und trinken!

 

Nimm den Riegel, iss den Riegel!

 

Bei km 150 dachte ich, meine Uhr wäre kaputt: Nur noch 30 km und so wenig Stunden auf der Uhr, so beschloss ich, zur Sicherheit 30 Minuten draufzupacken – ich dachte wirklich, meine Uhr sei stehengeblieben. Aber wie ich hinterher herausfinden sollte, bin ich wirklich nach 5:54:05 h vom Rad gestiegen!

Dann ging es  wieder zum Umziehen. Dieses Mal tauschte ich mal meine Rad- gegen eine Laufhose – das erste Mal, dass ich das gemacht habe aber ich finde, es hat sich gelohnt!

Ich lief los auf die Laufstrecke, die viermal gelaufen werden musste. Im Training hatte ich geplant, den Marathon unter vier Stunden zu laufen. Ich wollte eine Pace von 5:30 laufen.

km 1 Pace 5:15, zu schnell, km 2 Pace 5:15, immer noch zu schnell – obwohl ich extra langsamer gemacht hatte! Ich dachte nur, hoffentlich rächt sich das nicht nach hinten raus! Die nächsten km waren ein ähnliches Spiel. Dann kam der Augenblick, in dem ich auf Ute zulief, sie Augen und Mund nicht mehr zubekam und nur noch rief „Mensch, Ramon! Das sieht sehr gut aus! Weiter so!“ Man konnte richtig sehen, wie positiv überrascht sie war, mich „so früh“ zu sehen. :-)

Die Kilometer flogen nur so, aber leider füllte sich auch meine Blase mindestens ebenso schnell, sodass ich gefühlt jedes Dixi auf der Strecke kennenlernte durfte.

Die 2. und 3. Runde liefen super aber gegen Ende der 3. Runde bekam ich Kniescheibenschmerzen, sodass ich an jeder Verpflegungsstation Eis draufgeben musste. Aber egal, es hieß Zähne zusammenbeißen und laufen.

Ich war nun in der letzten Runde und durfte zum letzten Mal Utes erstauntes Gesicht sehen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön!! Es hat mich sehr gepusht, dass Du da standst und uns angefeuert hast! Mir persönlich hat das viel gegeben!

Es ging nur noch runter in die Stadt, Bändchen holen und in Gedanken schon im Ziel, wo ich von meiner Frau erwartet wurde, die sich als Finishline-Catcher angemeldet hatte, um mich in Empfang zu nehmen.

Ramon 1

Nach 11:40:18 h war es dann endlich soweit: Der Moment, auf den ich so lange gewartet und hingearbeitet hatte war endlich da: „You are an Ironman“ schallte es aus den Boxen und ich überschritt die Ziellinie! Meine Frau kam mit Tränen in den Augen auf mich zu, umarmte mich und sagte: Ich bin so stolz auf Dich!“, dann legte Sie mir die Medaille um den Hals und begleitete mich ins Atlethendorf!

Das war mein längster Tag!

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Stephan mit dem ich trainieren durfte und seinen weisen Ratschläge sowie meine Frau Birthe, die mir stets den Rücken freigehalten hat, um meinen großen Traum zu ermöglichen!

 

Ein Dank auch an Ute, die uns an der Strecke wie auch schon in Kraichgau angefeuert und unterstützt hat!

 

„I am an IRONMAN!“

 

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